LEISTUNGEN

ADHS-Diagnostik

Was ist ADHS?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologisch bedingte Besonderheit der Aufmerksamkeitssteuerung, Impulskontrolle und Aktivitätsregulation. Sie entsteht nicht durch Erziehung oder mangelnde Disziplin, sondern hat in erster Linie eine biologische Grundlage.

Die Anzeichen von ADHS sind nach den geltenden diagnostischen Kriterien eigentlich immer schon in der Kindheit vorhanden – auch wenn sie damals nicht erkannt wurden. Dabei fällt der hyperaktiv-impulsive Typ deutlich häufiger auf: Kinder, die zappelig, laut oder impulsiv sind, werden in der Schule schneller bemerkt und zur Abklärung geschickt. Der eher unaufmerksame Typ – Kinder, die still, verträumt oder „im eigenen Kopf“ wirken – fällt dagegen seltener auf, obwohl die Betroffenen genauso belastet sein können.

Mädchen sind von diesem Muster besonders betroffen: Sie zeigen häufiger den unaufmerksamen Typ und lernen zudem oft früh, ihre Schwierigkeiten durch angepasstes Verhalten zu überspielen. Dadurch werden ihre Symptome noch seltener erkannt. In Deutschland wird bei Jungen im Kindesalter etwa viermal häufiger die Diagnose ADHS gestellt als bei Mädchen – ein Unterschied, der deutlich größer ist als der tatsächliche Unterschied im Erwachsenenalter. Das deutet stark darauf hin, dass viele Mädchen in der Kindheit übersehen wurden, nicht darauf, dass sie seltener betroffen sind.

Historisch wurden also viele Kinder – vor allem Mädchen und Kinder ohne auffällige Hyperaktivität – nicht erkannt. Diese Menschen erhalten ihre Diagnose heute oft erst im Erwachsenenalter nachträglich.

Die vier Kernsymptome

Aufmerksamkeitsprobleme

Schwierigkeiten, sich über längere Zeit zu konzentrieren, zuzuhören oder Aufgaben zu Ende zu bringen. Beispiel: Sie beginnen mehrere Projekte gleichzeitig, verlieren dabei aber leicht den Faden, Sie machen häufig Flüchtigkeitsfehler, vergessen Termine oder Unterlagen.

Impulsivität

Handlungen oder Aussagen erfolgen, bevor die Konsequenzen bedacht wurden. Beispiel: Sie unterbrechen andere im Gespräch, treffen spontane Kaufentscheidungen oder reagieren schneller im Affekt, als Ihnen im Nachhinein lieb ist.

Hyperaktivität

Ein innerer oder äußerer Bewegungsdrang, der sich im Erwachsenenalter oft eher als Ruhelosigkeit statt als sichtbares Zappeln zeigt. Beispiel: Sie können bei Meetings oder im Kino schwer stillsitzen oder fühlen sich innerlich ständig „auf Hochtouren“.

Emotionale Instabilität

Gefühle werden intensiver erlebt und wechseln mitunter schnell. Beispiel: Kleine Rückschläge lösen überproportional starken Ärger oder Enttäuschung aus, die dann aber auch wieder schnell abklingen.

Wenn ADHS im Erwachsenenalter unerkannt bleibt

Weil sich ADHS im Erwachsenenalter oft anders zeigt als im bekannten Bild des „zappeligen Kindes“, bleibt die Störung bei vielen Betroffenen über Jahre unerkannt. Häufig wird zunächst nur eine Begleiterkrankung wahrgenommen und behandelt – etwa eine Depression, eine Angststörung, Schlafstörungen oder ein problematischer Umgang mit Alkohol, anderen Drogen (z.B. Cannabis, Amphetamine) oder Medien, Glücksspiel etc. –, ohne dass das zugrunde liegende ADHS erkannt wird. Eine unerkannte ADHS-Problematik kann diese Begleiterkrankungen zusätzlich erschweren, da naheliegende Therapieansätze ins Leere laufen können, wenn die eigentliche Ursache unbehandelt bleibt. Eine sorgfältige Diagnostik hilft, das Gesamtbild richtig einzuordnen.

Besonderheiten bei ADHS bei Frauen

Bei Frauen wird ADHS im Durchschnitt später erkannt als bei Männern. Ein Grund dafür ist, dass sich die Symptomatik häufiger eher unaufmerksam als hyperaktiv-impulsiv zeigt und Betroffene ihre Schwierigkeiten über viele Jahre gut kompensieren oder überspielen können. Eine weitere Besonderheit bei Frauen mit ADHS ist, dass die Symptome häufig nicht konstant sind, sondern teilweise erheblich mit dem Hormonzyklus schwanken. Dies hat vermutlich damit zu tun, dass das Hormon Östrogen die Dopamin-Verfügbarkeit im Gehirn erhöht (wobei bei ADHS vereinfacht gesagt grundsätzlich ein Dopamin-Mangel herrscht). Fällt der Östrogenspiegel im Zyklusverlauf ab, sinkt auch der Dopaminspiegel, wodurch sich die ADHS-Symptome verstärken. Auch in den Wechseljahren wird häufiger von einer Zunahme der Beschwerden berichtet. Diese Besonderheiten beziehen wir in unsere Diagnostik mit ein.

Ablauf Diagnostik

1

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt über unsere Bürokraft. Da die Nachfrage hoch ist, werden Sie zunächst auf unsere Warteliste aufgenommen.

2

Fragebögen vorab

Vor dem ersten Termin füllen Sie online standardisierte Fragebögen aus – zu ADHS-Symptomen, möglichen Differentialdiagnosen sowie zu Ihrer Biografie. Für den Versand des Zugangs zu den Fragebögen benötigen wir Ihre E-Mailadresse.

3

Anamnese & Fremdanamnese

Im persönlichen Gespräch erheben wir die Anamnese und führen ein strukturiertes diagnostisches Interview durch. Ergänzend ist eine Fremdanamnese wichtig – z. B. mit einer Bezugsperson sowie anhand von Schulzeugnissen.

4

Abschlussgespräch

Wir besprechen die Ergebnisse der Diagnostik mit Ihnen und erläutern mögliche Empfehlungen für das weitere Vorgehen.

Aktuell können wir aufgrund der hohen Nachfrage für die ADHS-Diagnostik leider keine weiteren Wartelistenplätze für gesetzlich versicherte Patient:innen anbieten. Wir informieren Sie an dieser Stelle, sobald sich dies ändert.

Privatpatient:innen und Selbstzahler:innen können sich gerne telefonisch über unsere Bürokraft oder per E-Mail an kontakt@psychotherapie-am-kungelmarkt.de melden.

Kosten und Abrechnung

Privat Versicherte: In der Regel übernehmen private Krankenkassen die Kosten. Wir empfehlen Ihnen dennoch eindringlich, sich vorab bei Ihrer Versicherung bzw. Beihilfestelle konkret zu erkundigen und sich ggf. einen Kostenvoranschlag einzuholen.

Selbstzahler / IGeL-Leistung: Wir stellen Ihnen die Kosten gemäß der Gebührenordnung für Ärzte und Psychotherapeuten (GOÄ) je nach Aufwand in Rechnung.

stellen wir Ihnen die Koste für die bis dahin erbrachten Leistungen in Rechnung.

Ein ausführlicher Befund-Bericht (z. B. für Anträge oder Behörden) ist nicht im normalen Leistungsumfang enthalten und wird gesondert berechnet.

Hinweis: Als Psychologische Psychotherapeut:innen können wir eine diagnostische Einschätzung vornehmen, jedoch keine Medikamente verordnen. Sollte sich aus der Diagnostik eine medikamentöse Behandlung als sinnvoll erweisen, verweisen wir Sie an eine entsprechende Fachärztin bzw. einen Facharzt.